Newton Justage
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Der Offset:

Wenn man weiß, was Offset ist, kann dieser Punkt übersprungen werden!
Wenn man keinen Offset einstellen muss oder will, muss man die ganze Seite nicht lesen.

Jetzt wird´s etwas komplizierter, aber es ist trotzdem kein Hexenwerk!
Also...tiiiief durchatmen und ran geht´s

Offset..wa?:

Anm:
In Westfalen ist häää? = wa?

Der so genannte Offset ist ein Versatz des Fangspiegels, der eine vollständige Ausleuchtung des Bildfeldes bewirkt...mehr nicht!
Er hat keinerlei Auswirkungen auf die Bildschärfe oder Abbildung an sich!
Bei der Einstellung des Offset wird der FS um den errechneten Wert (siehe unten) gleichzeitig zum HS hin und vom OAZ weg verschoben.
Ohne Offset kann der Fangspiegel bei schnellen Systemen (kleiner oder gleich f5) an seinem zum HS zeigenden, tieferen Ende den breiten Lichtkegel nicht vollständig abbilden.
Hierdurch wird das Bildfeld asymmetrisch ausgeleuchtet.
Bei schnellen Systemen ist der Strahlenkegel viel steiler als bei langsamen Systemen - der Ausleuchtungsunterschied zwischen dem oberen und tieferen Ende des FS ist größer -  weshalb der Effekt hier auch erheblich heftiger ist.
Die Abschattung ist visuell aber meist so gering, daß sie kaum auffällt - bei Fotografisch eingesetzten Newtons sieht das anders aus.

In der nachfolgenden Grafik ist folgendes zu sehen:

Obere Darstellung:
Der Fangspiegel liegt genau auf der geometrischen Mittelachse des Tubus und des HS.
Die grüne Mittelachse des HS ist deckungsgleich mit der durch den blauen Pfeil markierten, geometrischen Mittelachse des FS (Grafik anklicken >> größeres Bild, ggf. noch reinzoomen).
Der Lichtkegel vom HS (orange Linien) wird nicht ganz vom FS erfasst (rote Linien) - Licht geht verloren!

Untere Darstellung:
Der Fangspiegel ist in Richtung HS und gleichzeitig vom Okurarauszug weg um den gleichen Betrag versetzt worden.
Die grüne Mittelachse ist NICHT mehr deckungsgleich mit der durch den blauen Pfeil markierten, geometrischen Mittelachse des FS (Grafik anklicken >> größeres Bild, ggf. noch reinzoomen).
Der Lichtkegel vom HS (orange Linien) wird komplett vom FS erfasst und umgelenkt!

Vereinfachte Darstellung



BILD ANKLICKEN ZEIGT VERGRÖßERUNG!


Bei langsamen Systemen >f5 ist der Offset-Wert sehr klein.
Dadurch ist der Effekt ebenfalls sehr klein und man sollte auch berücksichtigen, dass bei Werten um 2,5mm und weniger auch sichergestellt sein muss, dass der HS so genau zentrisch im Tubus sitzt und man überhaupt so genau messen kann - sonst ist es  witzlos das einstellen zu wollen!
Bei meinem GSO 880 war der HS nicht genau zentrisch im Tubus.

Meines Erachtens ist der Offset visuell erst für sehr schnelle Systeme ab f5 oder kleiner und nur bei Beobachtung mit ausgesprochenen Weitwinkelokularen relevant.
Ich habe den Offset mit vielen Tricks bei meinem f5 genau eingestellt, muss aber zugeben dass ich visuell auch mit meinen Weitwinkelokularen keinen Unterschied erkennen kann.
Also meine Meinung: Visuell beim f5 halb so schlimm!

Fotografisch ist er viel wichtiger, da evtl. ein viel größeres Bildfeld - wie bei chemischer Fotografie - nicht ganz gleichmäßig ausgeleuchtet wird und man auf dem Bild Abschattungen sieht.


Die Berechnung des Offset:

Den Offset kann man sehr einfach näherungsweise, jedoch ausreichend genau berechnen mit:

Offset= D x d / 4F

(Kein Mensch kann den Offset genauer am Teleskop anzeichnen oder gar einstellen!)

Beispiel:
Teleskop: GSO 880
d= 63mm (kleiner FS-Durchmesser)
D=250mm (HS-Durchmesser)
F=1250mm (Brennweite)

Offset beim GSO 880:  250mm x 63mm / 4 x 1250mm = 3,15mm

Zur Berechnung des Offsets eigener Geräte wird also benötigt:
- Hauptspiegeldurchmesser D in mm
- Brennweite F in mm
- KLEINER Fangspiegeldurchmesser d in mm


Die Einstellung des Offset:

Nachdem der Offset-Wert berechnet wurde geht´s ans Werk.

ACHTUNG: Alle weiteren Arbeiten bei LIEGENDEM Tubus durchführen, damit nichts auf den HS fallen kann!

Um eine präzise Einstellung mit dem Laser oder dem Cheshire-Fadenkreuz zu ermöglichen, sollte eine Markierung am FS angebracht werden.
Hierzu wird der FS am besten ausgebaut und auf der Spiegelfläche entweder Klarsichtfolie befestigt (Tesafilm) oder der FS mit Frischhaltefolie "bespannt", die selbst genügend fest anhaftet.


Auf diese Folie wird nun mit einem feinen Folienstift die geometrische Mitte der spiegelnden Fläche markiert - am besten mit 2 Strichen indem man die lange und die kurze Seite des FS mittig "teilt".
Diese beiden Striche werden sich in der geometrischen Mitte des FS kreuzen.
Jetzt wird über dem Kreuz (bei eingebautem Spiegel in Richtung weg vom HS) ein weiterer Strich quer zur Tubusachse gezogen, der als Abstand den berechneten Offset-Wert x 1,4 hat (beim 880er GSO also ca. 3,2 x 1,4= 4,5 mm).
Nur hier auf dem FS wird Offset x 1,4 verwendet!


Oder noch einfacher:
Das folgende Bild enthält konzentrische Ellipsen im Verhältnis 1:1,41 die den Fangspiegeln herkömmlicher Newton-Teleskopen entsprechen.
Am besten auf Klarsichtfolie ausdrucken, Papier geht zur Not auch.

Nachfolgend downloadbar:
Hier als PDF-File, damit geht es am besten (ca. 9kB): BILD
Hier als JPG-File (ca. 184kB): BILD
Den Druck dadurch prüfen, dass das aufgedruckte Quadrat die gleich Kantenlänge hat, damit die mit dem Verhältnis 1:1,41 gezeichnete Ellipse nicht verzogen ist!
Wie groß das ganze gedruckt wird ist dabei unerheblich, Hauptsache das Verhältnis stimmt und es passt auf den FS. 
Dieser Druck wird auf den FS gelegt und man schneidet die nächst kleinere, passende Ellipse mit der Schere aus.
Nun zeichnet man den mit Faktor 1,4 multiplizierten Offset-Wert wie im Bild weiter oben an und klebt den Ausschnitt mit Tesafilm an den FS.


Anm.:
Für die FS-Markierung muss der Offsetwert mit der Wurzel aus 2= 1,41 multipliziert werden, da sich der Wert bei der 45°-Schrägstellung in der Projektion ja um Wurzel aus 2 verringert!

Nun wird der FS wieder vorsichtig eingebaut.

Der Offset-Wert wird 2 mal verwendet:
- der FS wird um den Offset-Wert in  Richtung vom Okularauszug weg verschoben.
- der FS wird um den Offset-Wert in Richtung HS verschoben.

Als nächstes wird ausgemessen, ob sich der Fangspiegel zentrisch im Tubus befindet.
Die Fangspiegel muss um den berechneten Offset-Wert vom OAZ weg ausgerichtet werden.
Bei manchen Konstruktionen kann man einfach die Fangspiegelspinnen-Schraube am OAZ um den Offset-Wert lösen und auf der anderen Seite den gleichen Wert nachstellen.
Manchmal reicht der Weg aber nicht, sodass Unterlegscheiben verwendet werden müssen. 
Das Verschieben der Fangspiegelspinne im Tubus kann allerdings erheblich dickere Spikes in der Abbildung nach sich ziehen, da dann die jeweils  gegenüberliegenden Spinnenhalter nicht mehr 100%ig Deckungsgleich sind!
Besser ist es den FS selbst zu versetzen.

Im weiteren Verlauf wird man nun feststellen, daß der axiale Offset (zum HS hin) schon "automatisch" eingestellt war wenn man nach Seite 1 dieser Anleitung justiert hat, da sonst der FS nicht zentrisch im Cheshire erscheint.
Dementsprechend müsste theoretisch nur der Offsetwert
in  Richtung vom Okularauszug weg eingestellt werden.
Nachfolgend beschreibe ich trotzdem den kompletten Weg.

Um den FS in Richtung HS zu verschieben, wird die Zentralschraube des FS-Halters gelöst.
Es gibt verschiedene Befestigungssysteme für Fangspiegel, weshalb ich hier nicht sagen kann wo und wie man ihn verstellt.

Nachdem der FS wieder eingebaut ist, kann man durch das Cheshire oder den Laser, mit dem Fadenkreuz oder dem Laserpunkt den FS genau auf die Markierungen einstellen.

Jetzt erkennt man auch einfacher, ob der OAZ gerade ist, da sonst das Fadenkreuz des Cheshire, bzw. der Laserpunkt des Lasers seitlich neben die FS-Markierung, welche auf der Tubusachse liegt, zeigen würde.

Nun zurück auf Seite 1 und den Newton mit "
Die Kollimation mit der 1-2-3 Methode" sicherheitshalber zu überprüfen.

Einen anschaulichen, englischsprachigen Artikel mit "gerenderten" Ansichten, was man sehen MÜSSTE, findet ihr hier: Adventures in Collimation


Der Offset mal genauer (wen´s interessiert):

Hier mal eine Grafik, die recht genau zeigt und auch mathematisch darlegt worum es geht:


Grafik mit freundlicher Genehmigung von Henning Lorch

Henning hat sich die Arbeit gemacht und eine Herleitung erstellt

Eindeutschung der wichtigen Größen aus der Grafik:
B= Bildfeld mit 100%-Ausleuchtung in mm.
D= Hauptspiegeldurchmesser in mm.
d= Kleiner Durchmesser des Fangspiegels in mm.
F= Brennweite des Teleskops in mm.
O= Der Offset um den der FS zum HS und vom OAZ weg verschoben werden muss in mm.
Om= Der polare Offset umgerechnet auf die 45° Schräge, also der Punktversatz auf dem FS selbst in mm.