IM715-Justage

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Die Justage des Intes Micro Alter M 715 hat mir Anfangs Kopfschmerzen bereitet, da mir Basics zur Optik fehlten.

Nach umfangreichen Recherchen, bei denen mir freundlicherweise Johnny von Optooffice und Robert von House of Optics geholfen hatten den Stein der Weisen zu finden, bin ich zum Schluß gekommen daß ich es selbst hin bekomme.

Die Meniskuslinse scheint zum Hauptspiegel rotationssymetrisch zu sein, so daß ein Verdrehen der Linse zum HS wahrscheinlich nicht schädlich sein wird.

Da der HS hier fest am Blendrohr befestigt ist und das Blendrohr wiederum fest am hinteren Deckel, ist die Justage des HS zum FS recht einfach.

Wenn man bei diesen Maks auf der Achse von vorne in den Tubus blickt und langsam zurückgeht, "öffnen" sich konzentrische Kreise, die allesamt zentrisch sein müssen.
Man sieht sofort sehr genau, wenn da was GROB nicht stimmt.
Eine Feinjustage ist das freilich nicht, es hilft aber zu beurteilen ob ggf. schon an den feinen Sterntest gedacht werden darf!

 

Nachfolgend mal mein Weg der Kollimation.........................

 

 

 

Vorraussetzung um mit Amateurmitteln solch ein System zu kollimieren ist m. E. aber, daß die Meniskuslinse im Tubus richtig justiert IST.
Ich habe nun schon mehrfach gehört, daß Meniskuslinsen im Tubus klappern sollen.
Normalerweise kann das nicht sein, da die Schnipsel auch dämpfen und ein Klappern somit kaum möglich ist.
Sollten diese Schnipsel - warum auch immer - fehlen, wurde m. E. an dem Teleskop rumgepfuscht!
ICH würde vom Kauf solcher Teleskope dringend abraten, da eine Neujustage der Meniskuslinse sehr schwierig ist und ggf. nur in Russland EINWANDFREI bewerkstelligt werden kann.
Wie will ein Amateur eine verkippte Meniskuslinse überhaupt erkennen, geschweige denn justieren!?

 

Im oberen Bild sieht man die Papieschnipsel, welche radial an der Meniskuslinse im Winkel von 120° versetzt angebracht sind.
Sie zentrieren die Meniskuslinse radial im Tubus.

Wer das optimieren will, sollte so lange Distanzplättchen o. ä. unterlegen, bis sich die Meniskuslinse noch LEICHT drehen läßt.
Wird das zu eng, bekommt man durch den Alutubus, der sich stark bei Temperaturänderungen dehnt/zusammenzieht garantiert Verspannungen.
Die Meniskuslinse ist da äusserst sensibel, man glaubt kaum wie wenig Kraft ausreicht um diese zu verspannen!

Im unteren Bild sieht man die Papierschnipsel, welche in der Fassung der Meniskuslinse im oberen Tubusring angebracht sind.
Diese Distanzen verkippen die Maniskuslinse im Tubus soweit, daß die Linse ganau im 90°-Winkel auf die optische Achse ausgerichtete ist.
Bei mir war eins dieser Schnipsel doppellagig, was die kpl. Meniskuslinse an dieser Stelle anhebt.
Wahrscheinlich wurden damit die Fertigungstoleranzen des Tubus ausgeglichen und die Linse exakt auf die optische Achse ausgerichtet.


Hier eine Ansicht von hinten auf das Teleskop.

Mittig in der 2" Klemmhülse ist mein Nirosta-Kollimator zu erkennen.
Infos zu diesem Kollimator findet ihr hier unter Astronomie/Justage/Nirosta-Kollimator.
Damit habe ICH die besten Ergebnisse an diesem System erzielt - erheblich besser als mit dem Sight-Tube-Cheshire.

Die kleine Öffnung der Irisblende zusammen mit dem Blendrohr des Maksutovs ist ja schon ein komplettes Cheshire...einfacher geht´s nicht!

Man kann auch eine Scheibe herstellen, die zentrisch ein 4mm Loch hat oder Unterlegscheiben ausprobieren.

Durch das Auf- und Abblenden der Irisblende war einfach erheblich besser zu peilen.

Mit einem Cheshire geht es aber sicherlich auch.


Hier eine Skizze des M715 von Intes Micro im Längsschnitt.

Skizze mit freundlicher Genehmigung von Intes Micro, Russland.
By courtesy of Intes Micro, Russia.
Copyright by Intes Micro, Russia.

 

 


Im unteren Abschnitt sieht man die Kollimationsschraube (6) und die jeweils Paarweise daneben angeordneten Feststellschrauben (5).

Die Kollimationsschrauben sind in der Spiegelzelle eingeschraubt.
Sie haben im von außen sichtbaren Deckel nur eine Durchgangsbohrung.
Wird die Schraube (6) angezogen, bewegt sich die Spiegelzelle und somit der Spiegel in Richtung des Deckels - somit kippt dann auch das Blendrohr in Richtung der Schraube.

 

 

Skizze mit freundlicher Genehmigung von Intes Micro, Russland.
By courtesy of Intes Micro, Russia.
Copyright by Intes Micro, Russia.

 

 


Hier die Schrauben zur Justage.
Es befinden sich 3 Gruppen davon, jeweils um 120° verdreht am hinteren Deckel des Tubus - siehe ein Bild weiter oben.

Die M5-Inbusschraube (im Original ist es eine Kreuzschlitzschraube) in der Mitte dient zur Befestigung des hinteren Deckels - mit samt Blendrohr und HS - am Tubus.
Die beiden M4-Madenschrauben links und rechts von der Inbusschraube dienen zur Justage.

Erst werden die insgesamt 6 Madenschrauben so weit gelockert, daß der Deckel mit den Inbusschrauben rundum aufliegend auf den Tubus vorsichtig verschraubt wird.

Durch leichtes Lösen der Inbusschrauben und gleichzeitiges Reindrehen der Madenschrauben kann der hintere Deckel und somit das Blendrohr und der HS verkippt werden.
Durch das Verkippen des kpl. Deckels schwenkt das daran befestigte Blendrohr incl. HS und man kann das Blendrohr sehr genau zum FS ausrichten.


Hier habe ich mal versucht mit meiner Digitalkamera den Einblick von hinten in das Blendrohr zu zeigen, wenn das Blendrohr - und somit auch der HS - schon richtig zum FS ausgerichtet ist.
Schon bei der leichtesten Verkippung des Blendrohres im Tubus sieht man seitlich einen schwarzen Ring im Bild.

Die Justage des Blendrohrs und somit auch des Hauptspiegels ist recht einfach.

Alles schön zentrisch.


Auf dem IHT 2005 habe ich nun mittels künstlichem Stern versucht dem MAK die Feinjustage aufzudrücken.
Leider war das Seeing in Bodennähe so schlecht, daß der künstliche Stern nur wabernde Beugungsringe zeigte.
Die Justage musste warten, bis echte Sterne zu sehen waren.

Später konnte das Ganze dann direkt am Stern in Angriff genommen werden.
Anfangs zeigte sich klar Astigmatismus, der intra- und extrafokal klassisch um 90° hin und her sprang.

Im weiteren Verlauf löste ich dann die 3 Halteschrauben der Meniskuslinsenhalterungen (unter dem gelochten Ring) so weit, daß sie Meniskuslinse LEICHT von Hand mit 2 Fingern drehbar war.
Resultat: Asti war weg!
Nachher habe ich unter diese 3 Halter so lange Tesafilmstückchen gelegt, bis ich die Schrauben wieder anziehen konnte und sich die Meniskuslinse trotzdem noch leicht von Hand drehen ließ.

Also ging es weiter....Einer guckte und Einer schraubte am FS bis der FS-Schatten zentrisch war.
Während der nachfolgenden, leider Wetterbedingt zu kurzen Beobachtungsphase zeigte der MAK einwandfreie Sternabbildung.

Ich denke, man kann sagen, daß die MAK-Justage bei den Intes Micro dieser Bauart sehr einfach ist.
M. E. ist sie erheblich einfacher als bei einem Newton.


Hier eine Skizze des M715 von Intes Micro.

Dargestellt ist die Meniskuslinse incl. Fangspiegel und dessen Halterung im Schnitt.

Um den Fangspiegel einzustellen, muß die Kappe (1) abgeschraubt werden.
Dann kann über die 3 kleinen, im Kreis angeordneten Schrauben (2) der Fangspiegel incl. dessen Gehäuse soweit gekippt werden, bis im Sterntest der Fangspiegelschatten exakt in der Mitte zu sehen ist.

Die Zentralschraube der Halterung wird hierbei NICHT gelöst!

 

 

Skizze mit freundlicher Genehmigung von Intes Micro, Russland.
By courtesy of Intes Micro, Russia.
Copyright by Intes Micro, Russia.